Jonathan Levin: Für erfolgreiche
Serien ist es ungewöhnlich eine der drei Hauptdarstellerinnen zu verlieren. Wir
brachten eine neue Figur ein, die dem Publikum gänzlich unbekannt war.

Krista Vernoff: Ich musste mir
vorstellen, wie es wäre, eine Schwester zu verlieren. Ich musste mir einen Grund
dafür vorstellen, warum Piper nicht in der Lage wäre, Paige zu verzeihen, dass
es sie gibt. Phoebe wollte, dass Piper Paige annimmt und wenn nur, um die Macht
der Drei zurückzubekommen. Um die Furien erschaffen zu können, diese äußere
Erscheinungsform von Pipers Wut und damit sie sozusagen zusammenbricht und
zugeben muss, dass sie wütend auf Prue ist, weil sie gestorben ist.

Brad Kern: Jetzt war Piper die
Älteste und trug die Verantwortung, musste lernen, mit einer neuen Dynamik
umzugehen.

Andy Reaser: Paige, die jüngste,
neueste Schwester, ist sozusagen überall. Sie ist unberechenbar, verrückt,
witzig und chaotisch.

Brad Kern: Es war ein Schock für sie, herauszufinden, dass sie zwei Halbschwestern hat und dazu noch, dass sie Zauberkräfte hat.
Rose McGowan: Im ersten Jahr
wollte ich, dass Paige farbenfroh, albern und jung ist. Als sie älter geworden
ist und ich älter geworden bin, sollte sie etwas kultivierter werden, immer noch
farbenfroh, aber nicht das ganze Farbspektrum, was in den ersten Jahren gut zu
ihr gepasst hat.

Holly Marie Combs: Die Chemie
hat sich mit Rose etwas verlagert. Mit Shannen war es eine etwas dramatischere
Serie und als Rose mit ihrem verrückten Humor dazukam gab sie dem Ganzen etwas
Unbekümmertes, etwas Schräges, für das wir dankbar waren, es gab uns neuen
Aufschwung.


Brad Kern: In den frühen Folgen von Charmed hatten wir keinen allumfassenden Verschwörungsplan der Bösewichte. Aber als die Sockel der Geschichte entstanden, als uns klar wurde, das wir alles tun könnten, wurde uns klar, dass wir uns eine Art Organisation einfallen lassen müssen.
Jonathan Levin: Brad erweiterte die Regeln dieses übernatürlichen Universums brillant.
Brad Kern: Die Quelle, die Avatare, das sind alles organisierte Dämonen. Hätten wir ein Organigramm für Dämonen, wären sie der Vorstand. So bekam das Publikum das Gefühl, die Figuren würden sich hocharbeiten, wie in einem Videospiel, vom ersten Level zu zweite, ins dritte.
Curtis Kheel: Das erste Übel,
beziehungsweise das erste große Über war die Quelle, die wir erst am Ende des
dritten Jahres kennen lernten. Brad wollte, dass er so geschaffen wird, dass man
Angst vor ihm hat, weil man nicht weiß, wie er aussieht. Sein Gesicht sahen wir
erst in der Folge, in der sie ihn auslöschten, im vierten Jahr.

Diana G. Gallagher: An der
Spitze der Dämonen-Hierarchie steht die Triade.

Brad Kern: Die Triade waren Figuren, die wir einbauten, um dabei zu helfen, Coles Figur einzuführen.
Curtis Kheel: Im dritten Jahr arbeiteten sie mit Cole, um die Mädchen loszuwerden.
Brad Kern: Die Herausforderung war, uns eine Figur einfallen zu lassen, die stark und mächtig sein kann, aber gleichzeitig die Mädchen nicht entmachtet. Eine Figur zu schaffen, die halb Dämon, halb Mensch war, war der Schlüssel für die Lösung dieses Problems. Der Sender reduzierte es auf zwei, drei Namen und Julian McMahon wollten alle. Sobald er hereinkam, wusste ich, er ist der Richtige. Anfangs wurde er für sieben oder zehn Folgen engagiert. Zweieinhalb Jahre später war er immer noch dabei.
Krista Vernoff: Durch Cole konnten wir Phoebe immer leicht aus der Fassung bringen.
Brad Kern: Wir wollten die Metapher des bösen Jungen ausspielen, dass Mädchen sich manchmal in die bösen Jungs verlieben. Je näher er Alyssas Figur kam, je mehr er sich in sie verliebte ... Und dann verliebte sie sich in ihn. Wir hatten da eine wirklich epische Liebesgeschichte.
Alyssa Milano: Ich weiß nicht,
ob Brad das absichtlich schrieb weil er viel zu viel über mich weiß, aber ihre
Suche nach Liebe, das ist ein Thema, mit dem sich viele Frauen identifizieren
können, ein solides, sicheres Fundament zu haben.

Henry Alonso Myers: Die vierte
Staffel war herzzerreißend wegen dem, was sie durchmachte, und dann wurde Cole
zur Quelle des Bösen und betrog sie.

Brad Kern: Das spaltete sie und ihre Schwestern, Phoebe und ihre Schwestern, was wir auch organisch ausspielen wollten. Sie liebten sich, waren füreinander bestimmt, aber sie hatten etwas, das absolut unüberbrückbar war. Und sie versuchten alles, um es zu überwinden, weil Liebe angeblich alles bezwingen kann. Aber letztendlich wollten wir zeigen, dass Liebe nicht immer alles bezwingen kann. Manchmal gibt es eben unüberbrückbare Dinge.
Curtis Kheel: Wenn es eine Beziehung gibt, die Charmed definiert, dann ist es die Piper-Leo-Geschichte, die früh in der ersten Staffel begann, als Leo zum Haus kam und sich als Handwerker ausgab.
Brian Krause: Ursprünglich hatte ich eine andere Rolle. Ich spielte ein paar Mal diesen Handwerker. Es war seltsam, weil ich damals zwischen den Jobs tatsächlich auf dem Bau arbeitete. Ich glaube, ich kam direkt von einer Hausmodernisierung.
Brad Kern: Leos Figur sollte nur eine Art Romanze für Piper sein. Damals bemängelten Spellings Produktionsfirma und der Sender, dass wir keine wiederkehrenden Figuren hatten. Die Serie lief noch nicht lang. Fans würden immer wieder zuschalten, dann ein paar Wochen wieder nicht und dann wieder. Sie wollten keine Fans verlieren, weil sie einer Beziehung nicht folgen können.
Brian Krause: Ursprünglich wurde ich für drei Folgen engagiert, eventuell für mehr, es war nicht sicher, ob es sich zu mehr entwickeln würde.
Brad Kern: Er war ein so großartiger Kontrast zu der verrückten Welt der Mädchen. Er schien so verlässlich und nett. Er war einfach ein netter Kerl. Wir wollten mehr für Leo und Piper. Wir sagten es dem Sender nicht, auch nicht dem Studio, dass wir ihn wiederholt einsetzen wollten.
Holly Marie Combs: Brian und Leo haben sich definitiv in Millionen Herzen eingeschlichen. Mädchen kommen immer noch auf mich zu und sagen: "Leo ist so sexy!"
Curtis Kheel: Das war die Seifenoper-Beziehungsgeschichte, wegen der die Fans Woche für Woche einschalteten. Das Problem bei Piper und Leo ist, dass jeder sie zusammen und glücklich sehen will, aber wenn sie das sind, ist es eine langweilige Serie.
Brad Kern: Wir wollten damit beweisen, dass in diesem Fall Liebe alles bezwingen kann, weil sie füreinander bestimmt waren und ihre Belohnung war, dass, wenn sie irgendwie einen Weg finden, sie glücklich bis an ihr Ende leben würden.
Holly Marie Combs: Es war uns wichtig, dass sie erwachsen werden, sich ihr Leben normal verändert, obwohl sie Hexen sind. Meine Figur hat sich von einer sehr hyperaktiven, unsicheren, irgendwie neurotischen Figur, zu einer sehr selbstbeherrschten und sehr selbstbewussten entwickelt. Sie wurde zur Mutter, Ehefrau und Geschäftsinhaberin.
Brad Kern: Sender und Studio hatten große Bedenken, ein Baby in die Serie einzubauen, sie sagten: "Babys sind für Serien tödlich." Und ich sagte: "Aber es geht um Schwestern. Sie verlieben sich, sie heiraten. Babys müssen sein, wenn sich die Serie natürlich entwickeln soll." Es gab Bedenken darüber, wie man ein Baby im Haus haben soll, wenn ständig Dämonen angreifen. Das wäre nicht mehr lustig, keine Komödie mehr. Es wäre zu ernst, zu gefährlich. Ich sagte: "Ja, darum kümmern wir uns, wir geben ihm all diese Kräfte. Wir geben ihm ein Kraftfeld, mit dem er sich schützen kann. Wir machen ihn letztendlich zum mächtigsten Wesen überhaupt." Das entwickelten wir weiter und zeigten, das die Ältesten vorhersahen, was passieren würde, wenn Piper und Leo zusammenkämen, nämlich die Zeugung Wyatts, der laut der Prophezeiung eines der mächtigsten Wesen aller Zeiten werden würde. Dämonen und selbst die guten magischen Figuren würden versuchen, ihn zu korrumpieren, für sich zu gewinnen, und den Schwestern damit nichts als Probleme bereiten.
Curtis Kheel: Wyatt ist eine Art Auserwählter der Halliwell-Linie. Er entstand aus der Verbindung zwischen einer der Zauberhaften und einem Wächter des Lichts, was ihn überaus mächtig macht. Chris ist auf seine Art auch etwas Besonderes und mächtig, aber war nicht der Prinz William der Familie.
Brad Kern: Die Figur von Chris wurde in die Serie eingebaut, um ... Wir sind jetzt in der sechsten Staffel und suchen neuen Stoff, der nicht nur von Dämonen und Hexen handelt, sondern wie wir die Welt der Schwestern erweitern können. Also bauten wir Chris ein, der aus der Zukunft kommt, um seine Familie zu retten, um seinen großen Bruder zu retten.
Drew Fuller: Er kommt aus der
Zukunft und muss in die Vergangenheit und die Dinge ändern, ohne zu viel zu
verraten, weil das die Zukunft verändert.

Curtis Kheel: Die Autoren hatten damals alle die Idee, dass er sich als Wyatt herausstellen würde, aus der Zukunft. Über den Sommer redeten wir darüber und dachten: "Es ist zu absehbar, dass er der Wyatt aus der Zukunft ist. Das ist, was man erwarten würde. Warum machen wir ihn nicht zu Wyatts Bruder?"
Brad Kern: Holly war so nett, in dem Jahr schwanger zu werden, genau zur richtigen Zeit, so dass wir erklären konnten, wo Chris herkam, weil er noch nicht geboren war. Wir waren noch nicht sicher, wie wir das erklären, aber dann rief mich Alyssa an und sagte, dass Holly schwanger wäre und ich sagte: "Toll, das passt perfekt in die Geschichte."

Brad Kern: Um die achte Staffel machen zu können, kürzte der Sender unser Budget um mehrere $100.000. Gleichzeitig bestanden sie darauf, dass wir neue Gesichter engagieren. Sie hofften, für die Serie neue Zuschauer gewinnen zu können, die sie vorher nicht ansahen.
Andy Reaser: Wir wollten andere Wege ausprobieren und die Zauberhaften in einer Position sehen, in der sie im Grunde eine neue Zauberhaft ausbilden müssen.
Kaley Cuoco: Sie wollten sie in
der Hexerei ausbilden und wie man das Böse bekämpft.

Andy Reaser: Die Zauberhaften halfen ihr dabei, ihre Vergangenheit zu erforschen. Sie fand heraus, was sie quälte, dass ihre Schwester von einem Dämon entführt wurde. Sie wollten alles tun, um ihre Schwester zu finden. Und als sie sie dann fand, war es nicht das, was sie erwartet hatte.
Brad Kern: Meine Lieblingsfolge ist die letzte Folge. Ohne Frage. Ich liebe diese Folge. Das wollte ich letztes Jahr machen, als ich dachte, es wäre das Ende der Serie. Ich wollte den Fans, der Crew und den Schauspielern ein Geschenk machen. Das war mir persönlich wichtig, weil ich wusste, dass ich mein Leben lang darüber nachdenken muss, wie ich die Serie enden ließ. Ich habe Charmed geliebt. Sonst wäre ich nicht acht Jahre lang ein Teil davon gewesen.
E. Duke Vincent: Das Ende einer Serie ist, als würde die
Familie fortgehen. Am Ende einer Serie teilzuhaben, macht also keinen Spaß. Man
nimmt Abschied von einer Familie, mit der man lange zusammen war. Man wird
dieses Leuten vielleicht wieder begegnen, früher oder später, den Schauspielern,
der Crew. Es ist möglich. Aber es wird nie wieder dasselbe sein und das ist
traurig.

Jonathan Levin: Ich sehe es lieber auf positive Weise, was für eine außergewöhnliche Leistung es ist, dass eine Serie acht Jahre lang läuft. Sie hat sich einen Platz erkämpft, einige Planänderungen überdauert und blieb acht Staffeln lang ein Flaggschiff von WB. Darauf bin ich sehr stolz, auf all die Arbeit, die hineingesteckt wurde.
Brad Kern: In dieser Branche, in diesen Zeiten im Fernsehen, in denen es langjährige Serien kaum gibt, besonders Genre-Serien, war ich einfach nur stolz und ich bin stolz auf alle Beteiligten. Und ich weiß, dass ich bis ans Ende meiner Tage, und auch alle anderen, die an der Serie beteiligt waren, wenn sie erwähnen, dass sie Charmed machten, wenn man sie fragt: "Welche Serie haben Sie gemacht?", werden ihre Augen ganz groß werden und sie werden sagen: "Oh, Charmed? Ich liebe diese Serie." Wir waren nicht die beste Serie, wir haben keine Preise gewonnen, wir hatten nicht die größten Zahlen, aber ich fand immer, dass wir die einfallsreichste Serie waren. Wenn man sich diesen Hut aufsetzt, muss man nach den Sternen greifen.
Alyssa Milano: Es ist wirklich seltsam. Es ... Ich denke, Veränderungen machen immer Angst. Wir verbringen genauso viel Zeit hier, wenn nicht mehr, wie mit unseren Familien und Freunden. Die Gewohnheit, hier zu sein und dessen, was das mit sich bringt, wird man nur schwer wieder los.
Rose McGowan: Ich denke, unsere Fans sind traurig, dass es zu Ende ist, hoffentlich bleiben wir dafür in Erinnerung, dass wir ihnen Freude brachten und sie die Welt vergessen ließen.
Holly Marie Combs: Es wird komisch sein, nicht jeden Tag herzukommen. Wir haben es so lange gemacht, und es wird eine große Lücke in meinem Herzen hinterlassen.