The Making of Charmed

E. Duke Vincent: Im Oktober werden es 29 Jahre, dass ich mit Aaron Spelling arbeite. Wir haben bis jetzt 47 Fernsehserien miteinander gemacht. Ich sag ihm immer, wir machen weiter, solange wir können. Das ist bis jetzt unsere bei weitem schwierigste Serie,  vor allem wegen der optischen Effekte, Spezialeffekte und Computergrafiken und der vielfältigen Action. Wo was haben wir noch nie gemacht, bei keiner Abenteuer- oder Actionserie. Wenn ein Herstellungsleiter im heutigen Fernsehen auf Zack ist, sieht er sich erstmal das Drehbuchkonzept an. Wir entwerfen die Konzepte intern, zusammen mit den Autoren Brad Kern und Jim Conway.

Doug E. Jones: Brad, unser furchloser Chef denkt immer einen Schritt weiter. Wenn eine Staffel endet, denkt Brad schon über die nächste nach. Wir erarbeiten für das Studio mindestens sechs Konzepte, wenn zwischen zwei Staffeln alle Urlaub machen. Wir konzipieren die Staffel im Voraus.

Brad Kern: Dann erstellen wir einen ungefähren Plan für die Serie. Ich glaube, jede Staffel muss Anfang, Mittelteil und Schluss haben. Ich gliedere die Staffel in drei Teile. Wenn das Gesamtkonzept steht, suchen wir nach Ideen für die einzelnen Folgen. Wir überlegen, wie wir die Schwestern prüfen und über die Frauen mehr erfahren können. Das betrifft ihr Liebesleben, ihr Verhältnis als Schwestern und ihre Arbeitswelt. Wenn wir das haben, suchen wir magische Geschichten, Dämonengeschichten, die ihnen widerfahren. Die Geschichten müssen die zentralen Elemente enthalten, die für die stilistische Balance bei Charmed sorgen: die Schwestern und Hexen. Dann gehen wir ins Autorenzimmer, zu sechst, siebt oder acht und fabrizieren die Geschichten.

Jeannine Renshaw: Unser Prozess ist, na ja, Brad ist sehr ... Er kann Autoren anleiten. Und das war etwas, das mir gefallen hat beim Schreiben dieser Serie, dass es für den Wahnsinn eine Methode gibt. Das ist ein Prozess und er funktioniert gut und schnell, trotz komplizierter Geschichten. Sie sind so vielschichtig. Wir entwerfen Geschichten mit verrückten, schrägen Ideen. Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz, nie etwas gleich zu verwerfen. Aus den verrücktesten Ideen entstehen oft die besten Folgen.

Andy Reaser: Der Job ist komisch weil, wir sind keine Ärzte, denen man sagt: "Die Wunde muss genäht werden." Oder was Ärzte sonst machen. Wir unterhalten uns lange und intensiv, und spielen oft nur Ball oder spicken Stifte an die Decke, einfach um das Hirn anzuregen. Aber dann, wissen Sie, man kann sich in dem Raum auch gut konzentrieren. Wir arbeiten alle zusammen, wir treffen uns, um zu versuchen, wissen Sie das Ziel ist immer, die Geschichte, an der wir arbeiten, schnellst- und bestmöglich zu erledigen. Dann hat der Autor, der sie ausarbeitet, das nötige Rüstzeug. Es ist Teamarbeit, wir knobeln Geschichten aus, damit wir beim Drehbuchschreiben keine Geschichte haben, die nicht funktioniert. Davor will jeder die anderen bewahren.

James L. Conway: Im Laufe eines Jahres haben wir etwas elf Regisseure. Für mehrere Folgen oder nur für eine oder zwei. Wir bereiten uns anhand des Skripts vor. Jedes hat seine eigene Welt, abhängig vom Dämon und was den Mädels zustößt. Das Vorkonzept erarbeiten Abteilungsleiter, der Szenenbildner, der Stundkoordinator, das Team für visuelle und mechanische Effekte und wir reden über das Skript. Und kommen wir dann zu den einzelnen Szenen, überlegen wir uns die beste Art, sie zum Leben zu erwecken. Wir besprechen, in was für einer Umgebung die Dämonen leben, die erforderlichen Stunts, die Kräfte, mit denen sie vernichten oder was sie sonst eben Böses vorhaben.

Todd Tucker: Meistens sehe ich das Skript hier im Lager durch. Ich lese das Skript und notiere jeden Spezialeffekt, jede Maske und Requisite, die ich eventuell herstellen muss. Dann folgt eine Besprechung bei Paramount, wo wir am runden Tisch über die Folge und die Arbeitsansätze reden. Oft bringe ich schon Computergrafiken zum Figurendesign mit, um sicherzugehen, dass die Richtung stimmt. Sie sind die Grundlage des Designprozesses. Sobald das Design abgesegnet wird, beginne ich mit der Skulptur. Ich schicke den Jungs zwischendurch Fotos, um sicherzugehen, dass sie ihnen gefällt. Es folgen Guss und Schaumstoffüberzug und die Figur ist fertig. Wir nehmen Prothesenklebstoff, den auch die Medizin verwendet, damit alles fest und stabil wird bei unseren Körperteilen. An normalen Tagen haben wir mehrere Tattoo-Kombinationen für Statisten und Hauptdarsteller. Am meisten verwende ich diesen Tätowier-Malkasten. Das klappt gut und funktioniert fast wie Wasserfarben. Dann haben wir eine Reihe von Cremes und Pinsel, um das Material aufzutragen. Wenn die Figur einen hübschen Glatzkopf hat, nehmen wir unsere Standard-Glatzenkappe. Oft brauchen wir Narben und Wunden, wenn Dämonen jemanden angreifen oder töten. Wir haben ein Set von Latexschaum-Narben, die wir überall dort einsetzen können, wo Figuren verwundet oder attackiert wurden. Die haben wir in mehreren Größen und Formen, sodass wir kleine Narben, ebenso wie klaffende Wunden fabrizieren können. Oft spielen Elfen mit, auch als Nebenfiguren. Wir hatten eine Elfennanny wie auch gestandene Königselfen. Reine Geschöpfe, wie in "Herr der Ringe". Wir machten also Elfenohren in verschiedenen Größen. Das sind Original-Güsse der Elfennanny-Ohren. In der achten Staffel spiele ich den Krychek-Dämon. Das Spannende war, dass aus drei Figuren dasselbe Dämonwesen wurde. Ich spielte das erste Wesen, in das sich ein Kerl verwandelt. Dann änderten wir meine Linsen, Make-up und Kostüm. Später in der Folge wird eine andere Figur zur zweiten Version des Dämons, den ich auch spielte. Dann folgt noch eine dritte Version des Dämons. Ich spielte also in einer Folge drei Figuren, die sich relativ ähnlich sahen, aber andere Kostüme und Linsen trugen. Als Schauspieler liebe ich Charmed, weil ich so viele Figuren in einer Serie spielen kann. Ich variiere auch die Art, wie ich sie spiele, sodass am Ende keiner weiß, dass immer ich es bin. Und als Maskenbildner kann ich richtig coole Masken für ihre tollen Darsteller entwerfen. Für mich war es also in doppelter Hinsicht eine richtig coole Erfahrung. Man weiß nie, was einen erwartet.

Daniele Gschwendtner: Das ist die Kostümabteilung der Damen. Hier haben wir alle Kostüme unserer Heldinnen. Wenn wir das Drehbuch erhalten, gehen wir es für jede von ihnen durch. Ihre Kleider sind anlassbedingt. Bei einem Date tragen sie etwas anderes als beim Spiel mit den Kindern. Es gibt auch Spezialkleidung. Für Hochzeiten brauchen wir Kleider für die Brautjungfern und die Braut. Bei der Anprobe sehen wir dann, was am besten passt. Das nehmen wir als Outfit für die Serie. Oft ändern wir die Kleidung etwas, vor allem bei Rose und Alyssa. Wir verfeinern sie, fügen etwas hinzu, kleine Extras, die ihrem Charakter entsprechen. Dieses Kleid von Rose gefiel uns besonders, weil sie Spitzen liebt und es schwarz-weiß ist. Vollkommen klassisch und sehr chic. Dann haben wir solche Blusen, sehr hübsch, feminin und zeitlos. Holly ist dagegen mehr der Jeanstyp. Sie trägt immer Jeans oder Cordhosen oder Cargo-Hosen und mag erdige Farben. Dazu trägt sie einfach ein hübsches Top. Das hier hat ihr zum Beispiel sehr gefallen. Das ist der typische Holly-Look. Alyssa mag lieber bunte Sachen. So etwas entspricht am ehesten ihrem Geschmack. Die Farbe ist schön und sie mag solche Details. Sie mag den Folklorestil und eigentlich alles Interessante und Ausgefallene. Dazu trägt auch sie am liebsten Cordhosen, eine schwarze Hose oder auch gern Jeans. Jeans sind praktisch. Da sie ständig Dämonen bekämpfen, ist das die ideale Kleidung für sie. In Jeans sind Stunts kein Problem.
         

Randy Cabral: Ich mache alle physischen Effekte. Also Regen, Wind oder Feuer. Viele unserer Explosionen, große und kleine, werden praktisch am Set gemacht. Bei Charmed demolieren wir andauern irgendwas. Wir haben da ein paar sehr mächtige Hexen. Jedes Fenster und jede Tür der Villa wurde schon mal demoliert. Das Set existiert seit acht Jahren und wir haben schon so ziemlich alles gemacht. Und zwar buchstäblich. Da waren riesige Feuerkugeln, die den Dachboden samt Einrichtung plattmachten. In einer Folge hängten wir einen Geländewagen an sämtliche Möbel auf dem Dachboden. Wir machten für das Kabel ein Loch in die Wand, der Wagen fuhr los und die Möbel zerschmetterten an der Wand. Eine Orgie der Zerstörung. Die Mädels haben vollstes Vertrauen zu mir. Wie gesagt, wir zünden am Set jeden Tag etwas an. Nach einer Woche gewöhnt man sich daran.

Noon Orsatti: Wir machen die Stunts, was eben anfällt, aber in der vorletzten Folge, wo wir die Villa demolierten, war es eine größere Sache, vielleicht die größte überhaupt. Es flogen Leute durch die Gegend, brauchen durch Gegenstände. Mehr als sonst an nur einem Tag. Wir machen oft große Sachen, aber as war enorm. Drei Leute flogen zugleich in eine Richtung, in einer anderen Einstellung brachen zwei Leute durchs Geländer der Villa. Wir mussten uns gut vorbereiten, um das sicher hinzubekommen. Anders als sonst konnten wir dafür schon einen Tag im Voraus proben. Schlimmer wird es kaum kommen. Das war die Quintessenz aus acht Staffeln Charmed. Die Villa ist seit acht Jahren unser Zuhause. Als ich ans Set kam, schockierte es sogar mich, unser Haus so verwüstet zu sehen.

Jonathan West: Ich bin für den Stil der Serie verantwortlich. Ich leite das Kamerateam und koordiniere Kamerabühne und Beleuchtung, damit diese Bilder entstehen. Es ist ein komplexer Prozess. Man ist nie alleine. Man arbeitet mit einem recht großen Produktionsteam. Bei Serien ähneln sich die Szenenbilder. Es gibt eine Konsistenz im Stil der Serie. Als ich vor vier Jahren dazukam, fragte man mich, was ich am Stil ändern wolle. Ich sah, dass viele der Kunstwerke kalifornischer Impressionisten viktorianische Villen waren. Das Lebensgefühl, das sie erzeugen, die Sonne, die durchs Buntglas fällt und weiche Töne auf die Haut der Darsteller zeichnet. Das sanfte Licht, das die Frauen umschmeichelt. Alles schien zu passen, weil Charmed für diesen Villenstil hervorragend geeignet war. Dann war da der Kontrast, dass sie mit Dämonen zu tun haben. Mit der dunklen Seite der Welt, und auch diese Kunstschule hat ihre dunkle Seite. Es gibt Straßenszenen mit sehr gedeckten Farben und voller Schatten. Es beginnt hier im Kopf, nicht nur in den Augen. Wenn man es da sieht, kann man es auch filmen.

Peter Chomsky: Wir hatten mehrere Kamerateams und ich habe mit allen gerne gearbeitet. Mann muss ihr Vertrauen gewinnen, dass du aus ihren Aufnahmen etwas Gutes machst, das ihren Vorstellungen beim Drehen der Szenen entspricht. Ich weiß dann, was ihnen für gewisse Szenen vorschwebt. Wir wollen, dass das kühl wirkt oder wir wollen, dass es warm wirkt, irgendwie orange. Ich merke mir das und bringe es in den Film ein. Bei der Vorführung sind sie dann zufrieden mit dem Resultat. Gibt es Abweichungen, reden wir darüber, es ist ein ständiger Prozess. Es hat wirklich Spaß gemacht mit diesen Leuten zu arbeiten, weil es gute Teamarbeit ist.

Stephen Lebed: Das sind Effekte für Schlussszenen des großen Finales von Charmed. Unter anderem der Showdown der Jenkins und Halliwells. Die Zerstörung des Hauses. Einige Szenen spielen im Haus, wenn ihre entfesselte Kraft durch die Wohnung flutet. Ein Schnitt nach draußen und wir sehen das zerstörte, aus dem Fundament gerissene Haus. Wir arbeiten auch an den Nachwehen, was danach passiert, wer überlebt hat und was man vom Fundament aus sieht.
         

Peter Chomsky: Folge 8.21 aus Sicht der visuellen Effekte: Es war eine große Herausforderung, bei über 200 visuellen Effekten. Wir jagen die Villa in die Luft. Wir flogen sogar Hubschrauber darüber. Ich und Steve Lebed, Leiter für visuelle Effekte. Wir machten Luftaufnahmen für die Vogelperspektive der Explosion. Die ganze Villa in die Luft zu jagen, war ein gigantisches Projekt, schon von den visuellen und mechanischen Effekten her. Sie rissen die Villa buchstäblich in Fetzen. Als hätte eine Bombe eingeschlagen und sie ausgebrannt und zerstört. Für die Arbeit an den visuellen Effekten nahmen wir eine alte Einstellung vom Einrichten des Hauses und schauten wie wir es in die Luft jagen. Es folgte die Explosion in Vogelperspektive, man blickt von oben auf das Auto in der Einfahrt nebenan, man sieht den Blitz, der Autoalarm wird ausgelöst. Wir nahmen uns viel Zeit und arbeiteten sehr detailliert, damit es möglichst realistisch wirkt. Wir machten oft tolle Aufnahmen. Schwer zu sagen, was die Schwierigste war. Dämonen explodieren pausenlos. Wenigstens einmal pro Folge, das läppert sich zusammen. Als die Serie anfing war es noch spannend, ein paar Dämonen explodieren zu lassen. Später lagen die Hürden höher und wir mussten uns mehr einfallen lassen wie wir sie in die Luft jagen. Die Effektkünstler mussten mit spannenden und einmaligen Varianten aufwarten, wie sie sterben, denn die Produzenten wollten jede Woche eine neue Todesart. Sie wollten nicht jedes Mal das Gleiche sehen. Wir sollten alles herausholen. Die Effektkünstler vereinten ihre Kräfte und ließen sich einige interessante Sachen einfallen. Hier machen wir die Endmischung der Serie. Wir fügen die Musik unserer Komponisten ein, den Ton für die visuellen Effekte, sowie Dialog und Synchronaufnahme ersetzen also die Stimmen. Die Musik arrangiere ich mit dem Komponisten. Wir sehen eine Szene an, ich sage: "Die Spur kommt dahin." Dann kommt noch der Leiter der Soundeffekte und wir sagen: "Ok, da brauchen wir den Ton für den Bösen, der hereinbeamt und Paige, die hinausbeamt. Ich will Straßenlärm vor Phoebes Wohnung. Den Klang der Cable Cars." Diese Sachen. Dann wird alles geschnitten und korrekt positioniert und kommt hier im Studio aufs Mischpult, wo alles zusammengefügt und die Endmischung gemacht wird. Dann senden wir es per Satellit und fangen von vorne an.

Brad Kern: Es ist faszinierend, nicht nur bei Charmed, generell. Es erstaunt mich immer wieder, wie gut das Fernsehen ist, obwohl sie 22 bis 24 Folgen pro Jahr machen. Egal ob die Folge den Zuschauern gefällt, schwierig zu produzieren ist sie allemal. Aber irgendwie wirkt der Zauber von Hollywood immer.